Begegnungen, die bereichern und nähren

Wie sind Sie heute morgen ihrem Partner, ihrer Partnerin oder ihren Kindern begegnet? Wenn mein Mann und ich morgens gemeinsam zuhause sind, dann geht es bei uns los mit den unterschiedlichen Wünschen nach Radiosendern, nach Stille oder Musik, nach muckelig warm oder erst mal lüften. Schnell wird man ungeduldig miteinander, ist beleidigt, will den anderen ändern oder zumindest sich durchsetzen. Forderungen, Erwartungen, Bedürfnisse, all das schwingt mit und macht die Begegnung mit dem Anderen schwer, gerade vor dem ersten Kaffee.

Und wie oft geht es uns im Alltag so. Wir sehen jemanden, nur ganz kurz, aber diese wenigen Sekunden genügen, um die Bewertungsschublade auf zu machen und jemanden in sympathisch oder unsympathisch einzuteilen. Wie oft schaffen wir es einfach nur zu beobachten, ohne direkt zu bewerten? Wann gelingt es uns zuzuhören, ohne direkt eine Lösung oder eine Meinung parat zu haben? Wann haben Sie das letzte Mal etwas verschenkt, ohne Erwartungen daran zu knüpfen?

In meiner systemischen Haltung als Beraterin bin ich neugierig, offen und versuche nicht zu bewerten, immer mit der Idee: Hier hat jemand einen anderen Blick in die Welt als ich. Privat neige ich leider dazu mehr zu bewerten, so wie soviele andere Menschen auch.

Ich möchte mir vornehmen achtsamer Menschen zu begegnen, ob nun privat oder beruflich, ob nun vor dem ersten Kaffee oder danach. Denn, gelingt die Begegnung mit dem anderen Menschen erst mal ohne Forderungen und Erwartungen, dann kann soviel mehr passieren. Schaffen wir es offen, neugierig und beobachtend zu bleiben, statt direkt zu bewerten und in Schubladen zu denken, kann ein anderer Mensch und eine neue Sichtweise bereichern und unsere Welt ein Stück bunter und größer machen.

Virginia Satir, eine der bedeutendsten Familientherapeutinnen, hat eine gute Vision von wahrhaftiger, bereichernder Begegnung formuliert.

Wie ich dir begegnen möchte

Ich möchte dich lieben, ohne dich einzuengen.
Ich möchte dich wertschätzen, ohne dich zu bewerten.
Ich möchte dich ernst nehmen, ohne dich auf etwas festzulegen.
Ich möchte zu dir kommen, ohne mich dir aufzudrängen.
Ich möchte dich einladen, ohne Forderungen an dich zu stellen.
Ich möchte dir etwas schenken, ohne Erwartungen daran zu knüpfen.
Ich möchte von dir Abschied nehmen, ohne Wesentliches versäumt zu haben.
Ich möchte dir meine Gefühle mitteilen, ohne dich für sie verantwortlich zu machen.
Ich möchte dich informieren, ohne dich zu belehren.
Ich möchte dir helfen, ohne dich zu beleidigen.
Ich möchte mich um dich kümmern, ohne dich ändern zu wollen.
Ich möchte mich an dir freuen – so wie du bist.
Wenn ich von dir das Gleiche bekommen kann,
dann können wir uns wirklich begegnen und uns gegenseitig bereichern.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute und wahrhaftige Begegnungen, die Sie bereichern und nähren.

Herzlich

Ihre

Tanja Peters