MUTmuskeltraining Feedback

Menschen sind angewiesen auf die Rückmeldung und das Feedback von ihrem Gegenüber. Fehlt dieses Feedback beruflich, sind wir frustriert, verunsichert, wissen nicht, ob unsere Handlungen Sinn machen, unsere Arbeitsergebnisse stimmen oder wir überhaupt verstanden und gesehen werden.

In einer Studie habe ich gelesen, dass sich 50% aller in Deutschland Beschäftigten mehr Feedback oder überhaupt Feedback von ihrem direkten Vorgesetzten wünschen. Das hat mich nicht wirklich überrascht und gleichzeitig doch schockiert. Kenne ich es nur zu gut aus meiner eigenen Erfahrung als Mitarbeiterin und später als Führungskraft, dass die wenigsten Führungskräfte dieses kraftvolle Führungstool „Feedback“ gut für sich, die Entwicklung der Mitarbeitenden und den Unternehmenserfolg nutzen.

Und woran liegt das? Ob nun Führungskraft, Mitarbeiter oder Privatperson, es gibt oft eine ganz einfache Antwort darauf: Der MUT fehlt! Die Angst einen Konflikt auszulösen oder jemanden zu verletzten ist größer als der Wunsch oder die Motivation etwas zurück zu melden.

Also wenn überhaupt Rückmeldung im beruflichen Kontext stattfindet, dann wird eher ganz pauschal „gelobt“. Die Klassiker sind:

  • Gut gemacht!
  • Passt!
  • Klasse, vielen Dank!
  • Fand ich gut!

Für einen kurzen Moment freuen wir uns, denn wir haben ja anscheinend etwas gut gemacht. Was genau gut an unserem Arbeitsergebnis oder der Präsentation war, erfahren wir aber leider nicht. Eine solche zugerufene, pauschale Aussage festigt damit leider nicht die Leistungen und gibt keine Auskunft darüber, welche Bereiche der Leistung gut waren.

Negatives Feedback dagegen wird möglichst vermieden und wenn überhaupt, dann wird es in jährlichen Feedback- oder Mitarbeitergesprächen angesprochen und es passiert genau das, was gute Feedback Regeln eigentlich verhindern sollen: Die negativen Beispiele und Verfehlungen eines gesamten Jahres kommen auf den Tisch und der Mitarbeiter hat das Gefühl, er hat komplett versagt und überhaupt noch nie ein gutes Arbeitsergebnis abgeliefert. Oder alles Negative wird auch hier – weil es eben nicht angenehm ist, ein solches Feedback zu geben – totgeschwiegen und der Mitarbeitende bekommt weder mit, wo seine Defizite liegen noch erhält er die Möglichkeit sich zu entwickeln und zu wachsen.

Und so kommen die Menschen unzufrieden, frustriert und enttäuscht aus diesen Gesprächen und verlieren die Lust, überhaupt daran teilzunehmen.

Aber wie kommen wir raus aus dieser Falle?

Mitarbeitende können starten aktiv Feedback einzufordern und auch ein positives „Gut gemacht!“ zu hinterfragen: „Danke für Ihre positive Rückmeldung. Was genau hat Ihnen denn gut gefallen an meiner Präsentation / meinem Projektplan….?“

Führungskräften möchte ich ans Herz legen, möglichst schnell mit dem MUTmuskeltraining zum Feedback geben zu beginnen. Die Führung von Mitarbeitenden ohne Feedback ist faktisch nicht möglich, da ohne eine Rückmeldung über Leistungen und Defizite von Mitarbeitenden keine Steuerung und Veränderung möglich ist.

Haben Sie Lust auf Feedback bekommen?

Um nicht sofort einen Feedback-Marathon zu laufen, sondern in kleinen Schritten zum Ziel zu kommen sind regelmäßige Trainingsschritte und klare Feedback Regeln sinnvoll. Dann kann Feedback gelingt und sie können positive Erfahrungen damit sammeln.

Hilfreiche Feedback Regeln für den Feedback-Geber:

Beschreiben Sie die konkrete Situation, um die es geht. Bitte lassen sie Bewertungen, Interpretationen und Phantasien außen vor.

Benennen sie ganz konkret das Verhalten, was ihnen gefallen oder missfallen hat und wie dieses auf sie gewirkt hat. Bei einem „negativen“ Feedback können sie auch den Hinweis für das gewünscht Verhalten formulieren.

Bleiben Sie bei der ICH-Botschaft (anstelle der DU / SIE-Botschaft). „Ich habe wahrgenommen…“ anstelle von „Sie sind….“

Wenn ihr Feedback hilfreich für ihr Gegenüber und zu persönlichem Wachstum und Entwicklung beitragen soll, so sollte es immer in einer wertschätzenden und wohlwollenden Haltung und auf veränderbare Verhaltensweisen gegeben werden.

Veranstalten Sie keinen Museumsbesuch, bleiben sie bei ihrem aktuellen Beispiel.

Hilfreiche Feedback Regeln für den Feedback-Empfänger:

Erst einmal Zuhören und Aufnehmen. Akzeptieren Sie die Beobachtungen des Anderen, denn es ist seine Beobachtung.

Bleiben Sie gelassen und denken Sie in Ruhe über das Gehörte nach: Was davon ist für mich hilfreich? Was möchte ich annehmen? Was passt für mich nicht? Geben Sie dann erst eine Rückmeldung, falls notwendig.

Und hier ist Ihr Trainingsplan für das MUTmuskel-Feedbacktraining:

Geben Sie in der ersten Woche jeden Tag einer Person (privat oder beruflich) ein positives Feedback. Achten Sie dabei besonders auf eine gute Beschreibung dessen, was Sie so positiv finden und rückmelden möchten.

In der zweiten Woche geben Sie weiterhin jeden Tag ein positives Feedback und zusätzlich holen Sie sich aktiv Feedback ein. Auch hier können Sie privat starten und es nach einer angemessenen Trainingseinheit auch beruflich versuchen.

Haben Sie genügend gute und hilfreiche Erfahrungen mit diesem Training gesammelt, so trauen Sie sich doch einfach pro Woche mindestens auch eine negative Rückmeldung zu geben. Halten Sie dabei die Feedback Regeln im Auge und erinnern sich an konstruktive Rückmeldungen, die Sie bekommen haben. Was war daran gut und hilfreich? Und wie können Sie diese Erfahrung nutzen, um anderen konstruktives Feedback zu geben, wenn sie auf etwas aufmerksam machen möchten, was nicht gut gelaufen ist.

Sie haben nun das Handwerkszeug und ihren Trainingsplan, es kann also los gehen. Am besten noch heute! Starten sie einfach jetzt und geben mir ein Feedback für diesen Artikel. Ich freue mich darauf!

Ganz Herzlich
Ihre
Tanja Peters