Perfekt oder gut genug?

So kannst Du mutige Fehler machen!

Viele von uns kennen ihn, den wenig liebvollen, immer aufpassenden, sich ständig meldenden inneren Antreiber „Sei Perfekt!“.

Landläufig wird dieser Antreiber immer wieder als gut und sinnvoll angesehen. Treibt er uns doch ständig zu Hochleistungen an und dies scheint ja auch notwendig in einer Gesellschaft, die wie keine andere auf Erfolg, Höchstleistung und ständigen finanziellen Wachstum angelegt ist.

Höchstleistung oder Begrenzung?

Aus meiner Tätigkeiten in der Wirtschaft weiß ich, dass kaum ein anderer Antreiber ein Team so lahm legen kann, wie dieser. Gibt es keine gute Fehlerkultur, werden Fehler nicht als notwendiger Lernschritt im persönlichen oder gemeinschaftlichen Wachstum verstanden, sondern als nutzlos und überflüssig wahrgenommen, dann stirbt der MUT zum Neuen. Innovation, Entwicklung und die Freude an der Arbeit bleiben auf der Strecke. Viel zu groß wird die Angst, eben nicht DIE perfekte Leistung abzuliefern.

Geht es Dir auch so?

Traust Du Dich nicht, bestimmte Projekte anzugehen, da Du Angst hast, es könnte nicht perfekt werden? Oder arbeitest Du immer weiter an einem Auftrag, einer Aufgabe, bis Du wirklich das Gefühl hast, das Ergebnis ist mehr als 100%?

Die Frage ist, darf es leichter werden? Darfst Du und Deine Arbeitsleitung gut genug sein und eben nicht perfekt?

Darfst Du präsent, überzeugend, begeisternd, bewegend, speziell, berührend, aufrüttelnd, neu, selbstsicher, anschaulich, großartig sein oder eben „nur“ perfekt?

Der Weg aus der Perfektionsfalle

Leichter gesagt als getan. Oft können wir – auch wenn wir genug positives Feedback von außen erhalten – nicht aus der Perfektionsfalle ausbrechen. Warum ist das so schwer möglich?

Mein Erklärungsversuch:

  • Wir haben den großen Wunsch, uns gegen Kritik von außen zu wappnen. Wir versuchen mögliche Kritik vorwegzunehmen, denn wenn wir eine perfekte Leistung abliefern, kann uns niemand kritisieren!
  • Wir glauben, wir werden nur respektiert und geliebt, wenn wir makellos und unfehlbar sind. Also müssen wir die perfekte Leistung abliefern, damit uns die Liebe und Anerkennung der anderen nicht verloren geht!
  • Wir haben große Angst zu versagen und nicht erfolgreich zu sein. Das Schwarz-Weiß-Denken (entweder ich bin perfekt oder ein totaler Versager) nimmt den Raum für alle 80/20-Lösungen, in denen ein „gut genug“ reichen würde. Nur mit der Idee der perfekten Leistung können wir die Angst vorm Versagen in Zaum halten.

Vielleicht hast Du bei allen drei Erklärungsmöglichkeiten genickt? Oder Dich hat eine besonders angesprochen? Egal wie stark der innere Antreiber bei Dir ausgeprägt ist, ein gutes MUTmuskeltraining kann helfen, nach und nach eine bessere Fehlerkultur zu kultivieren.

Bist Du bereit zu einem Fehlertraining á la Tanja Peters?

Du erhältst nun einige Anregungen und Aufgaben, mit denen Du in den nächsten Wochen eine neue Fehlerkultur kultivieren kannst.

Dem inneren Erlauber eine Stimme geben:

Finde gute Sätze für Dich, die kraftvoll und unterstützend sind. Diese Sätze oder neue Stimme nenne ich den inneren Erlauber. Er ist der Gegenspieler oder Dein Verbündeter im Training zu mehr Gelassenheit und Fehlertoleranz. Immer wenn Dein Antreiber sich nun meldet und Dich zu mehr Perfektion aufruft, kannst Du mit diesen Sätzen antworten. Der innere Dialog bekommt somit eine neue Stimme, eine für dich und Deine Entwicklung hilfreiche Stimme.

Gute Sätze könnten zum Beispiel sein:

  • Ich gebe mein Bes­tes. (Das reicht.)
  • Ich bin lie­bens­wert (wert­voll) so wie ich bin!
  • Ich bin, so wie ich bin, gut genug!

Die Sätze entwickeln die größte Kraft, wenn Du Sie auch laut und regelmäßig aussprichst. Hänge die Sätze für Dich sichtbar in Deiner Wohnung oder Deinem Arbeitsbereich auf. Lese Sie im Vorbeigehen laut vor, lass Sie zu Deinem neuen Mantra werden und spüre jedes Mal, wie entlasten es sein kann, gut genug zu sein!

Lege einen unperfekten Gelassenheits-Tag ein:

Gestatte Dir einen komplett unperfekten Tag und lass Dich überraschen, wieviel Spaß es mache kann, vorsätzlich Fehler zu machen und gelassen damit umzugehen:

  • Ziehe etwas an, was nicht zusammen passt: unterschiedlich farbige Socken oder Schuhe
  • Wähle Farben für Dein Outfit, die man angeblich nicht zusammen trägt
  • Sei wild, bunt, zu kurz oder zu lang
  • Entscheide Dich für eine ungebügelte Hose oder ein Hemd

Trau Dich in Deinem „fehlerhaften“ Outfit in Deinen Alltag.

  • Steig in den falschen Bus oder die falsche Bahn
  • Bitte Jemanden um Hilfe
  • Antworten auf viele Fragen an diesem Tag mit: „Das weiß ich nicht“
  • Ruf eine falsche Telefonnummer an und sag „Entschuldigung!“
  • Erzählen einen schlechten Witz schlecht
  • Verstehe eine Aufforderung falsch, sobald Du darauf aufmerksam gemacht wirst, sagst Du „Das war mein Fehler, ich habe es falsch verstanden“
  • Komme zu spät, ohne Dich zu entschuldigen

Sei gespannt und neugierig wie der „un-perfekte“ Tag Dir gefällt. Kunden von mir, die es schon ausprobiert haben, hatte eine Menge Spaß dabei.

Den wünsche ich Dir auch und wie immer – ein mutiges Herz um Deinen eigenen Weg zu gehen!
Von Herzen
Tanja