Wie geht eigentlich Veränderung?

Liebe Leserin, Lieber Leser,

fragen Sie sich auch, wie persönliche Veränderungsprozesse funktionieren ? Ich merke oft erst im Nachgang, dass sich etwas bei mir verändert hat. In der Rückschau wird mir klar, hier hättest du dich früher aufgeregt – und heute kannst du ganz gelassen und ruhig mit der Situation umgehen. Hier hat sich dein Verhalten verändert. Aber wie genau war der Weg dahin?

Der Startschuss für Veränderung ist meist Leidensdruck. Wir merken, dass ein gelerntes Verhaltensmuster für uns nicht mehr hilfreich ist, ja oft sogar kontraproduktiv und fangen an unter dem eigenen Verhalten zu leiden. Manchmal holen wir uns Hilfe in Form von Freunden, Beratung, Coaching, manchmal gehen wir auch nur mit unseren inneren Anteilen dazu in den Austausch. Wenn es gut läuft und das Muster nicht zu fest im Sattel sitzt, genügt die kognitive Reflexion, um eine neue, hilfreiche Handlungsstrategie zu entwickeln und diese dann zu üben, bis sie automatisiert ist und zu einem neuen Muster wird. Ist ja eigentlich ganz einfach….aber warum fällt es uns dann immer so schwer?

Eine mögliche Antwort: Unsere gelernten Verhaltensmuster stammen oft aus jüngsten Lebensjahren und waren Überlebensstrategien. Und die sitzen fest im Sattel, das können Sie sich vorstellen. Deshalb hilft auch die Reflexion, dass das Verhalten heute für Sie nicht mehr hilfreich ist, wenig. Die Dinge sind tief verwurzelt, mit dem was wir gelernt haben, mit unseren Glaubenssätzen und unserem Wertesystem. Deswegen ist das einfache Ziehen dieser Wurzel nur schwer möglich.

Der Weg zur nachhaltigen Veränderung von gelerntem Verhalten kann deshalb lang und anstrengend sein und manchmal ist der Leidensdruck doch einfacher auszuhalten, als sich auf den Weg zu machen

Hinzu kommt, dass für viele Menschen Veränderung mit Verlust von Sicherheit und damit Angst verbunden ist. Sie bleiben aus Angst vor dem ungewissen Neuen lieber in ihrer Komfortzone. Die kennt jeder und jede, da bin ich mir ganz sicher. Manchmal ist sie so warm und kuschelig, dass man die Unzufriedenheit über seine Grenzen und sein Verhalten nur selten spürt und wahrnimmt.

Ich habe im Laufe der Jahre eine gute Strategie für meine persönlichen Veränderungsprozesse entwickeln können. Mein Mann hat mich dabei mit folgender Idee unterstützt: Gehe immer mal wieder einen neuen Weg zu einem bekannten Ort! Das habe ich dann fleißig in Köln und Umgebung gemacht und dieses Verhalten langsam auch auf andere Lebensbereiche ausgedehnt. Jetzt kenne ich mich nicht nur gut in Köln aus, es hat auch dazu geführt, dass ich selbstverständlicher mit Veränderungen umgehen kann. Kleine Dinge im Leben immer wieder mal zu verändern, Veränderungen sozusagen zu trainieren, ist eine gute Vorbereitung für die großen Veränderungsprozesse des Lebens. Ich kann heute Sicherheit in der Bewegung und Veränderung finden und nicht mehr nur in der Komfortzone, im Bewahren dessen, was man kennt. Das hilft mir auch große Veränderungsprozesse gelassener anzugehen. Immer auch mit dem Wissen, es wird nicht einfach, aber am Ende ist dies wieder ein weiterer Schritt in ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben.
Ich wünsche Ihnen heute besonders viel Mut für die kleinen Schritte der Veränderung!

Herzlich

Ihre Tanja Peters